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Das Füürbiige ist ein alter Prattler Brauch, der seit Jahren fröhlich weiterlebt

Das Füürbiige ist ein alter Prattler Brauch, der seit Jahren fröhlich weiterlebt

Entnommen dem Prattler Anzeiger vom 10.3.2000 (Text Claus Perrig)

Schon vor 80 und mehr Jahren wurde in Pratteln, wie andernorts, Holz gesammelt für ein grosses Fasnachtsfeuer. Mitte der 60er Jahre beinahe totgeglaubt steht der schöne Feuerbrauch nun wieder in voller Blüte und kann immer wieder auch Junge, Buben und Mädchen, zum Mitmachen begeistern.

Treffpunkt für die Füürbiiger war am Samstag, 4. März, wie bereits an den drei Sammeltagen zuvor, bei der alten Dorfturnhalle. Zwei Traktoren mit Anhängern standen bereit, um das Holz einzusammeln.

Martin Lüscher v/o Lüschi, der Organisator, verteilt die ersten Aufgaben und bespricht mit den Fahrern die Routen.  Seit Dezember 1999 ist er der Chef. Er hat das Amt von Martin Ramseier übernommen. Seinen ersten Kontakt zum Brauch erhielt er über Kollegen, vor allem aus der Pfadi.

Lüschi wirft noch einen kurzen Blick über die anwesenden Füürbiiger und dann geht es los. Ruedi Pfirter, der Präsident der Bürgergemeinde, fährt höchstpersönlich mit einem der Traktoren. «Es nehmen ja immer auch Kinder am Sammeln teil. Jemand muss dabei aufpassen, damit kein Unfall geschieht.» Seine Freude an dem traditionellen Brauch hat er bereits auf seine Enkelkinder Claudia und Florian übertragen können, die begeistert mitmachen.

Das Holzsammeln

Die eine Sammeltour, der ich mich anschliesse, beginnt in der Burggartenstrasse. Das Holz ist an einem Sammelplatz bereitgestellt worden und wird nun von den Füürbiigern auf den Anhänger geladen. Wenn wir gleich am Anfang grosse Haufen bekommen, dann geht es schnell. Wenn wir aber bei den Kunden läuten müssen, dann geht es länger», meint der zehnjährige Simon sachlich und kenntnisreich. Das Holz sollte gebündelt in Reisigwellen bereitliegen, damit man es speditiv aufladen kann. Auch lässt es sich so nach dem Entladen beim Brandplatz besser auf den Holzstoss tragen. Aber immer wieder gibt es Zeitgenossen, die sich nicht an die Regeln halten, und das «Füürbiige» wird mühsamer als gedacht. Vor ungefähr 30. bis 40 Jahren hatte man den Baumschnitt extra und früh zeitig für das Fasnachtsfeuer bereitgestellt. Beim Einsammeln und später beim Anzünden war das Holz dann genügend trocken und man erhielt im Normalfall ein gut brennbares, dürres Material. Heute muss man das Sammeln gut organisieren und immer wieder kontrollieren, damit das Fasnachtsfeuer nicht als billige Entsorgungsmöglichkeit benutzt wird.

Der Feuerplatz

Wenn ein Anhänger gefüllt ist, fährt man zum Feuerplatz. Dort ist der Holzstoss von den vorhergehenden Sammeltagen bereits etwa drei Meter in die Höhe gewachsen. Zuerst stellen die Füiirbiiger auf dem Brandplatz ein gefälltes Tännchen auf. Darum herum erstellen sie einen Rost aus Holzpaletten, und mit dem Tännchen als Zentrum wird nun das Fasnachtsfeuer weiter in die Höhe gebaut. Wenn der Holzstoss eine gewisse Höhe erreicht hat, konstruieren sie mit weiteren Holzpaletten eine Treppe, auf der Äste, Balken und Weihnachtsbäume auf den Holzturm geschleppt oder in einer Kolonne von Hand zu Hand nach oben gereicht werden. Die Füürbiiger, von rund zehn Jahren an bis gegen 60, sind eifrig bei der Sache. Zum Abschluss winkt ein währschaftes Zvieri: Kartoffelsuppe, eine Bratwurst oder ein Klöpfer mit Brot dazu Kaffe, Tee oder ein Schluck frisches Bier.

Für Küche und Verpflegung sorgt Arlette Mohler. Sie musste sich zuerst an eine feldmässige Holzfeuerküche gewöhnen. Die Kartoffelsuppe «Sie ist zwar nur aus dem Beutel», meint sie fast entschuldigend ist jedoch schön heiss und schmeckt nach den Strapazen des Holzsammelns besonders fein.

Die Familientradition

Wie Ruedi Pfirter konnte auch der Altfüürbiiger Heinz Strub, der das Biigen während insgesamt mehr als zwanzig Jahren befehligte, die Familientradition an seine Enkelkinder Sabrina und Florian weitervererben. «Als es dieses Jahr beim ersten Mal nass war und teils schneite, meinte ich, sie hätten genug. Aber sie sagten nur, dass sie sich zu Hause wieder trocknen würden und am Nachmittag wieder mithelfen wollten, so gut hat es ihnen gefallen», erklärt Heinz Strub lakonisch. «Davon waren sie nicht abzuhalten.»

Früher, so um 1950 bis 1955, gab es fünf Fasnachtsfeuer, praktisch für jedes Quartier eines. Und während langer Zeit existierten drei Feuer: Eines war draussen in der Schweizerhalle, eines für das Gebiet Blözen und eines für den Rumpel. Zwischen den einzelnen Feuern bestand eine starke Konkurrenz. Vor allem die Ausserdörfler und die Rumpler bekämpften sich. (Rumpel ist das Gebiet von der reformierten Kirche Richtung Schauenburgerstrasse, das Ausserdorf liegt an der Hauptstrasse in der Gegend des Hotels Engel.)

Der Nachwuchs

Die Jungen werden auf verschiedene Weise fürs Füürbiigen interessiert. Oft ergeben sich erste Kontakte über Vereine. So ist Jan im Schwingklub Pratteln engagiert, Livio macht beim Unihockey mit, Florian ist im Handball- und Simon im Judoclub.

Aus der Aktivität des Füürbiigens heraus entstanden eigentliche Cliquen. So gingen etwa die «Wälleböck» oder die «Chreezenrueche» aus dem Füürbiigen hervor. Dort hatten sich während einiger Zeit immer wieder die gleichen Kollegen getroffen und eines Tages beschlossen, eine richtige Fäsnachtsclique zu gründen.

Mitmachen können beim Füürbiigen Mädchen und Knaben so etwa ab der ersten Primarschulklasse. Wer zwei Jahre aktiv teilgenommen hat, erhält ein Prattler Stoffwäppchen. Nach vier Jahren bekommt man ein ausgehöhltes und verziertes Kuhhorn. Ab dem Konfirmationsalter gibt es dann pro Jahr eine Figur vom «Butz», einem anderen typischen Prattler Brauch, als Anstecknadel oder Pin.

Am Fasnachtssonntag folgt nach dem Umzug am Nachmittag der Fackelzug am Abend. «1966 gab es hier noch mit kleiner Beteiligung den ersten Fasnachtsumzug und jetzt haben wir bereits 64 angemeldete Gruppen», ergänzt dazu Heinz Strub fachmännisch.  Man zündet die Fackeln am Fasnachtsfeuer an (allerdings nur symbolisch). Unten im Dorf empfangen Trommler und Pfeifer den Zug und gemeinsam zieht man durch die Strassen. Während der ganzen Zeit lodert das Feuer hell über Pratteln. Wenn die letzte Glut erloschen ist, geht die Fasnacht noch lange weiter, und im nächsten Jahr wird ein neuer Holzstoss errichtet!

Walter Atz, einer der erfahrenen Altfüürbiiger berichtet:

Walter Atz oder mit dem Dorfnamen «Schuelopis-Schaggi-Willis-Walter», die Familie stellte seit gut 100 Jahren immer wieder Dorflehrer von Pratteln, hat schon vor beinahe 70 Jahren beim Füürbiigen mitgemacht. «Das Holzsammeln für das Fasnachtsfeuer, das ist einfach Tradition», ist seine knappe Erklärung. «Es gab vier bis fünf .Gruppen, meist quartierweise, die` für das Feuer gesammelt haben. Die einzelnen Gruppen achteten darauf, dass keine andere Gruppe in ihrem Quartier sammelte Als einmal die Trümpler im Ausserdorf sammelten, da liessen wir Ausserdörfler alles stehen und liegen, um die Eindringlinge, diese frechen Chaiben, zu vertreiben», weiss Walter, Atz schmunzelnd zu erzählen.

«In der Ebene haben wir mit grossen Leiterwagen, die man von Hand schleppte, das Holz gesammelt. Am Abend zog dann der Meyer Mil (Emil) mit seinem Pferd die Wagen zum damaligen Feuerplatz auf der Blözenebene hinauf. Die Feuerplätze haben aus unterschiedlichen Gründen immer wieder gewechselt», fährt Atz mit seinem Bericht weiter. «Holz fanden wir damals aber nur mühsam. In der Hard draussen hatte es etwa noch. Sonst haben ja damals alle mit Holz gefeuert. Auch im Wald hätte man kaum etwas finden können. Da war alles leergesammelt - Jede Familie hatte kleine Handwägelchen. Damit holte man das Holz. Man durfte nur am Mittwoch oder Samstag Holz sammeln, damit der Förster den Überblick hatte», berichtet mir Atz kundig aus seinen Erinnerungen.

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