Bahnhof: nächster Halt in Pratteln
Tafel 1 Bahnhof
entwickelt und realisiert durch Stiftung Öko-Job

Wie alles begann
Die Geschichte des Bahnhofs Pratteln beginnt am 19.12.1854 mit der Eröffnung der Linie Basel–Liestal durch die Schweizerische Central-bahn. Die Eisenbahn ist in ihren Anfängen der Ausdruck des indus-triellen Wachstums und aus Sicht der Fabrikanten ein gewinnbringen-des Transportmittel. Aufgrund der industriellen und topografischen Lage entwickelt sich Pratteln zum Verkehrsknotenpunkt. 1872 wird die «Salinenbahn», die Verbindung zwischen Pratteln und Schweizer-halle, eröffnet.
Nachdem anfänglich nur zwei bis drei Züge pro Tag am Bahnhof Pratteln verkehrten, erforderte die Zunahme des Schienenverkehrs später nicht nur einen Ausbau des Bahnhofareals sondern auch der Weichen- und Signalisationstechnologie. 1912 wurden die beiden Wärterstellwerke I und II errichtet, welche die Regelung des Eisenbahnbetriebs sicherten.
1964 wurden auf den 22 Firmenanschlussgleisen schon 90 Wagen pro Tag beladen, um Produkte ins europäische Ausland und nach Übersee zu transportieren. Heute sind es ungefähr sieben Mal so viel. Die «Bahn 2000» brachte mit dem Bau des Adlertunnels, als Verbindungstunnel zwischen Frenkendorf und Muttenz, dem Bahnhof Pratteln eine Verkehrsentlastung.
Weichen und Signale sorgen für die Sicherheit
Die Stellwerke regeln seit über 100 Jahren die Sicherheit der Eisenbahn. Sie sind die Voraussetzung für eine rationelle Betriebslenkung und einen wirtschaftlichen Eisenbahnbetrieb,
dazu die logischen Steuerzentren für die Wahl des Fahrweges
und die Abstandhaltung der Züge.
Zu Beginn der Eisenbahn gab es für jede Einfahrt nur ein Signal. Mittels eines Hebels, der direkt an den Weichen angebracht war, wurden die Weichen verstellt.
Wärterstellwerk und Befehlswerk

Mit erhöhtem Verkehrsaufkommen mussten auch die Sicherheits-vorkehrungen ausgebaut werden. Eine erste Reform bestand in der einheitlichen Darstellung der mechanischen Signale auf den Schweizer Bahnstrecken um 1874.
In Pratteln konnten mit dem Bau der beiden Wärterstellwerke I und II die offenen Weichen unter «Verschluss» genommen werden. Weiter wurde 1928 das Befehlswerk – ein verglastes Signalzimmer neben dem Billetschalter – in Betrieb genommen.
Durchfahrtsbefehl
Im Befehlswerk wurden mit Hilfe eines «Relais» – einem elektro-mechanisch gesteuerten Schalter – der Auftrag zum Öffnen der Signale an das Stellwerk vermittelt. Die Signale schlossen nach der Durchfahrt eines Zuges automatisch wieder. Als es noch kein Befehlswerk gab, musste der Bahnhofvorstand den Befehl telefonisch an die Stellwerke übermitteln.
Die Schalt- und Kontrollzentrale für Weichen und Signale befand sich im Stellwerk. Wenn ein Durchfahrtsbefehl vom Signalraum her einging, wurde er abgelesen und der entsprechende Weichenhebel mit Handgriff eingestellt. Mit Drahtseilen – Stromseilen – wurden die Befehle auf die entsprechenden Signale übertragen und wechselten damit auf «Fahrt». Ein System von sogenannten «Linealen» – eine mechanische Absicherung – verschloss darauf die Weichen, dass sie nicht mehr unbeabsichtigt geändert werden konnten. Heute wird mit einer automatisierten zentralen Überwachung eine erhöhte Sicherheit in der Steuerung garantiert. Auch können durch die Vereinheitlichung der Stellwerke die Anlagekapazitäten jederzeit ausgebaut werden.
Zentralstellwerk in Basel
Seit November 2000 wird der Bahnhof Pratteln durch das Zentralstellwerk in Basel ferngesteuert. So steht heute als Erinnerungsstück das Stellwerk II zwischen Gleis 4 und 5 im Osten vom Bahnhof Pratteln. Das Stellwerk I existiert nicht mehr und auch die früheren Stellwerksarbeiter mussten sich anderswo in der Region gleichwertige Arbeit suchen.
Die Salinenbahn

Direkt ab der Saline Schweizerhalle wurde ein Anschlussgleis entlang dem Waldstück vom Henkel und Brodbeckareal nach Pratteln verlegt. Diese «Salinenbahn» schloss auf die bestehende Hauensteinlinie an, damit der Exportartikel Salz in alle Destinationen der Schweiz befördert werden konnte.
Am 21. Oktober 1871 fand die erste Probefahrt auf der neu erstellten Salinenbahn statt, um 1872 definitiv in Betrieb genommen zu werden. Die Strecke umfasste 2 km Gleis mit 6 Weicheneinheiten. Für die Bewältigung des Rangiermanövers konnten bis 1964 die Dampfloks eingesetzt werden, später mussten sie durch leistungsstärkere Diesellokomotiven ausgetauscht werden. Die Dampflokomotive war von 4.00 Uhr früh bis abends 22.00 Uhr in Betrieb. Zweimal am Tag wurde Wasser nachgefüllt. Die als Nachfolgerin eingesetzte Diesellok war weniger Stunden pro Tag im Einsatz, konnte aber mehr Fracht- Kapazität bewältigen.
Bis 1976 war die Salinenbahn in Benutzung. Nach der Brücken- und Strassenüberbauung der Kantonsstrasse wurde der Betrieb von der Rheinsaline nach Pratteln eingestellt, was die Schaffung einer unmittelbaren Gleisverbindung an den Basler Rangierbahnhof nötig machte.
Die Überreste der Salinenbahn-Schienen sind heute noch entlang des Fusswegs im Wald neben dem Brodbeck-Areal zu sehen. Auf dem Bild ist die letzte Fahrt der Salinenbahn vom 28. 5. 1976 von den Vereinigten Schweizer Rheinsalinen nach Pratteln zu sehen.
Persönliches
Paul Geiser erlebt seit 48 Jahren die Verkehrsaufgaben und die Bautätigkeit auf dem Prattler Bahnhof. Nach neun SBB-Wanderjahren zwischen Basel, Chiasso, Zürich und Genf begann er 1957 mit seiner Arbeit am Billettschalter Pratteln. Damals halfen im Rangierdienst Pfeifsignale, Zurufe oder Handzeichen zur Verständigung. 1964 erlebte er eine der letzten Dampflokomotiven im Rangierdienst. Es gab noch keine Brücken oder Gleisüberführungen, was eine fliessende Verkehrsabwicklung verunmöglichte. 1981 übernahm er in Pratteln als 13. Bahnhofsvorsteher die Geamtleitung des Bahnhofs.
Ausblick
Früher wie heute ist der Bahnhof ein Ort der Begegnung und des Aufenthalts. Der direkte Bahn- und Busanschluss machen den Bahnhof zu einem regiozentralen Verkehrsknotenpunkt. Die erneute Sanierung durch die SBB macht das Areal sicherer und kundenfreundlicher. Auch gewinnt die Gemeinde Pratteln ein neues und attraktives Eingangs-portal. Heute verkehren nach der Entlastung durch den Adlertunnel auf der Strecke Basel–Olten und Basel-Stein-Säckingen durch-schnittlich 238 Passagierzüge pro Tag und ebenso 249 Güterzüge.Übrigens...
Noch bis 1955 erfolgten Nachrichten und Meldungen über den Zugverkehr zwischen Basel und Liestal telegraphisch.
Die Salinenbahn-Loko-motiven mussten ein Gefälle von 19.2 ‰
überwinden. Die Gotthard-Bahn hat im Vergleich dazu ein Gefälle von 26 ‰.