Füürbiiger anno 2011
Füürbiigen anno 2011 (von Mirjam Gloor)
Seit dem Bericht im Prattler Anzeiger vom 10. 3. 2011 hat sich beim Bauen des Fasnachtsfeuers nicht viel geändert. Seit 2005 ist Alex Brand der Chef. Das Amt hat er von Martin Lüscher alias Lüschi übernommen, der während 6 Jahren den Bau des Fasnachtsfeuers koordinierte. Immer noch erfreut sich der Brauch grosser Beliebtheit bei gross und klein, jung und alt.
Das Masten stellen, mit einer der drei Weihnachtstannen aus dem Dorf, erfolgt auch 2011 immer noch von Hand. Auch der Rost, der aus Paletten besteht, wird an diesem Samstag vorbereitet. Am ersten Sammeltag treffen sich rund 50 3jährige bis 80jährige auf dem Platz vor der alten Dorfturnhalle, wo auch bereits die beiden Traktoren mit Anhängern warten. Nachdem Alex alle begrüsst hat und die Route erklärt hat, werden die Jungen, welche mit den Traktoren von Haus zu Haus ziehen, mit gelben Leuchtwesten ausgerüstet. Die grosse Neuerung seit 2011 ist dann auch, dass die Kinder nicht mehr mit den Traktoren mitfahren, sondern mit Bussen in das jeweilige Gebiet gebracht werden. Während sich nun die eine Hälfte auf den Weg in die Quartiere macht, nimmt die andere Hälfte der Füürbiger den Weg zum Standort auf dem Mayenfels unter die Füsse oder unter die Räder.
Angekommen auf dem Platz oberhalb der Panzersperre werden die Arbeitshandschuhe montiert und es wird damit begonnen, bereits dort abgelegte Weihnachtstännli vom restlichen Holz zu trennen. Das Holz wird nun Stück für Stück, „Wälle für Wälle“ von Hand auf den vorbereiteten Rost rund um den Mast aufgeschichtet. Währenddessen kümmert sich Andrea Oesch um das leibliche Wohl: Sie geht einkaufen und schaut, dass zum Ende des Sammeltages auch jeder Helfer sein verdientes Zvieri bekommt.
Irgendwann ist es dann soweit, der erste Traktor kommt mit den Kindern beim Füür an. Während die Kinder sich etwas zu trinken holen, kippt der Chauffeur das gesammelte Holz. Ziel des Tages ist es jeweils, das gesammelte Holz auf das Füür zu biigen. Deshalb geht es nach einer kurzen Pause weiter, bis die Kinder und Traktoren das für diesen Samstag vorgesehene Gebiet abgearbeitet habe. Nach getaner Arbeit geht es denn auch beim Zvieri nahtlos über zum gemütlichen Teil. Bei einem wärmenden Feuer gönnt man sich ein Bier, Kaffe oder einen Tee.
Samstag für Samstag wird nun der Holzstoss höher. Um auch weiterhin von Hand biigen zu können, wird mit Holzpaletten eine Rampe gebaut.Am Samstag nach dem letzten Sammeln ist dann das Endbiigen dran. An diesem Tag werden die letzten Wellen auf das Feuer geschichtet, die Rampe abgebaut, und mit den Wiehnachtstännli wird der krönende Abschluss gebildet. Voller Stolz klettern dann einige Füürbiiger auf das fertig erstellte Fasnachtsfüür, um die Aussicht zu geniessen und einen „Dreier“ zu hornen.
Beim Anschliessenden Mittagessen, an welchem auch das Fasnachtskomitee regelmässig teilnimmt, lässt man nochmals die letzten Samstage Revue passieren. Auch alte Fotoalben, welche garantiert 20 und mehr Jahre alt sind, zirkulieren. So manch einer findet sich wieder auf den Fotos, allerdings um einige Jahre jünger. Nachdem jeder sein Hungergefühl gestillt hat, tritt Alex vor alle Helfer. In seiner Ansprache dankt er allen Helferinnen und Helfer, welche auch dieses Jahr wieder zahlreich mitgeholfen habe. Jeder aktive Füürbiiger erhält nun sein Dankesgeschenk: ein Pin, ein Glas, oder, wer das 4. Jahr dabei ist, erhält ein Kuhhorn.
Nun warten alle gespannt auf den Fasnachtssonntag.
Während des Umzuges am Nachmittag stehen einige Füürbiiger posten und helfen mit, damit der Umzug reibungslos verläuft. Nach dem Umzug werden dann wieder die Füürbiiger-Kleider montiert, und gegen 18 Uhr treffen sich alle Helferinnen und Helfer auf dem Mayenfels beim Füür. Das Füür wird noch mit trockenem Stroh versehen, damit man es auch besser anzünden kann. Umso näher die Uhrzeiger gegen 19 Uhr rücken, umso gespannter ist die Atmosphäre. Auch immer mehr Schaulustige treffen auf der Strasse oberhalb des Feuers ein. Zwischenzeitlich haben sich Reto Hess und sein Kollege ihrer Pullover und T-Shirts entledigt, und beginnen, dem Publikum mit einer heissen Feuer-Spuck-Show einzuheizen.
Alex verteilt unterdessen die unter-18-Jährigen an die Erwachsenen und die Fackeln werden verteilt. Kein Kind darf alleine das Feuer anzünden.
Da in wenigen Minuten die katholische Kirche 19 Uhr schlägt, begeben sich alle Füürbiiger rund um das Feuer und entzünden ihre Fackeln. Dabei ist auch die Sicherheit gewährleistet: 3 Freiwillige stehen mit jeweils einem Feuerlöscher bereit.
Dann ist es soweit: Die Kirchenuhr beginnt zu schlagen, und bei jedem Schlag zählen die Füürbiiger mit.
Beim Siebten Schlag ist es dann endlich soweit: Die Füürbiiger senken ihre Fackeln in das trockene Stroh und begeben sich ruhig in sichere Bereiche zurück. Innert Minuten, gar Sekunden, frisst sich das Feuer höher und höher am trockenen Holzstoss, bis alles im Vollbrand steht.
Mittlerweilen macht sich ein Teil des Publikums auf den Weg zum Fackelumzug und Schneemaa-Verbrennen im Dorf. Die anderen geniessen die Wärme und die Faszination des Feuers. Rund 4 Stunden später ist vom einstig stolzen und grossen Holzstoss nur noch ein kleiner Gluthaufen zu sehen.
Eine Woche später, wiederum an einem Samstag, findet dann das „Ufruume“ statt. Hierzu treffen sich die Füürbiiger wieder am Feuerplatz, der diesmal jedoch sehr leer erscheint. Es werden Holzreste, Asche und Metall getrennt, welches die Gemeinde in der darauffolgenden Woche abholt.
So können wir den Fasnachtsfüürplatz sauber an seinen Besitzer zurück geben.
Ein wenig Wehmut kommt dabei schon auf, schliesslich dauert es wieder rund 10 Monate, bis mit dem Bau eines neuen Fasnachtfüürs begonnen werden kann.